Digitales Shopfloor Management

Digitales Shopfloor Management für vernetzte Mitarbeiter

In der Morgenrunde im klassischen Sinne, werden alle Mitarbeiter auf Grundlage übergreifender Standards auf Stand gebracht und Themen des vergangenen Tages werden besprochen und die Ergebnisse aus diesem Gespräch werden vor einer Pinnwand diskutiert. Die Morgenrunde bzw. das Shopfloor Management beinhaltet in der Regel Themen aus den Bereichen Qualität, Arbeitssicherheit, Produktivität/Performance, Maßnahmensteuerung und Logistik.

In vielen Produktionsunternehmen hat sich die Morgenrunde bzw. das Shopfloor Management als sehr effektives Werkzeug zur kontinuierlichen Verbesserung etabliert. Trotzdem ergeben sich im Zeitalter von Industrie 4.0 und der Digitalisierung (Digital Factory) neue Chancen und Möglichkeiten, wie bestehende Prozesse angepasst und optimiert werden können, ganz nach dem Motto „Traditionelles hat sich bewährt… und muss sich trotzdem verändern“, wobei die grundlegenden Inhalte der klassischen Morgenrunde erhalten bleiben.

1. Schicht- und abteilungsübergreifende Informationsweitergabe

Für die Morgenrunde im klassischen Sinne ist der manuelle Aufwand zur Vorbereitung oft erheblich, da die relevanten Daten zusammengestellt und aufbereitet werden und anschließend in Papierform an die Pinnwand gehängt werden müssen. Trotz des erheblichen Aufwands für die Vorbereitung sind die Informationen lediglich lokal vorhanden (Pinnwand der Morgenrunde zur papierbasierten Informationsweitergabe).

Gesamtüberblick zum Shopfloor Management

Durch den Einsatz eines zentralen, datenbankbasierten Shopfloor Systems und die entsprechende automatisierte Bereitstellung der Daten, sind die Informationen immer und überall abrufbar. Nur so kann gewährleistet werden, dass wichtige Informationen einfach und schnell verteilt werden. Treten beispielsweise Anlagenstörungen oder andere Probleme auf, sind diese Informationen nicht nur für die Teilnehmer der Morgenrunde von Bedeutung, vielmehr sollten diese Informationen möglichst einfach und schnell an andere Bereiche verteilt werden. Nur so kann schnellstmöglich reagiert werden.Shopfloor Management Übersicht auf einen Klick

2. Flexible Datenanalyse nach Bedarf

Wie bereits beschrieben, bedarf es eines enormen Vorbereitungsaufwands, um die Daten für die klassische Morgenrunde aufzubereiten (Excel, Power-Point, etc.) und den Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Werden Probleme erkannt, sind ggf. weiterführende Informationen von Bedeutung, die so gar nicht vorliegen bzw. erst aufbereitet werden müssen.

Durch die elektronische Erfassung (automatisch und manuell) der Daten und deren Archivierung liegen die Informationen (Ur-Datensätze) zentral in der Datenbank vor. Zusätzlich erfolgt im zentralen Shopfloor System eine automatische Aufbereitung der Daten (z.B. in Form von Aggregationen), die so ebenfalls zur Verfügung stehen. Die zentrale Archivierung der Daten und deren Aufbereitung erlaubt die Erstellung flexibler Analysen über beliebige Bereiche und Zeiträume ohne zusätzliche Vorarbeit. Die Mitarbeiter werden in die Lage versetzt, flexibel eigene Auswertungen auf Basis historischer Daten zu erstellen.

Durch die Betrachtung von Verläufen und Trends können Abweichungen direkt erkannt und gezielt behandelt werden. Alle Auswertungen und Visualisierungen beruhen dabei auf den gleichen Ur-Datensätzen (inkl. darauf basierenden automatischen Aggregationen etc.), wodurch keine Diskrepanzen zwischen Ur-Daten und berechneten Daten entstehen. Ein Drill-Down bis ins Detail (vom Executive Shopfloor Dashboard bis auf Maschinenebene) ist dadurch einfach möglich!

 

3. Mitarbeitermotivation

In der klassischen Morgenrunde spielen größtenteils rationale Themen eine Rolle, das Thema „Mitarbeitermotivation“ findet nur selten einen Platz in einer solchen Runde. Die Archivierung der Daten (z.B. Arbeitsunfälle oder erreichte Stückzahlen) und deren Betrachtung im Verlauf erlaubt zusätzlich eine Visualisierung von Informationen, die Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation haben – so können in der digitalen Morgenrunde „Erfolge“ visualisiert werden, die Auswirkungen auf die Mitarbeitermotivation haben. Beispielsweise kann im Bereich der Arbeitssicherheit das Thema „Unfallfrei seit…“ visualisiert werden.

Die Produktivität oder Performance der vergangenen Schicht könnte zum Beispiel in Form eines Smileys unterstrichen werden. Wurde die geplante Stückzahl erreicht, erscheint ein lachender Smiley und färbt sich grün. Weitere Szenarien sind natürlich denkbar.

4. Visualisierung von Daten aus verschiedenen Systemen in einer Oberfläche

In bestimmten Situationen ist es notwendig, den Prozess oder ein bestimmtes Problem detaillierter zu analysieren. Hierzu sind zusätzliche Informationen, abseits der Daten aus der Morgenrunde notwendig. Bisher lagen solche Informationen nicht ad-hoc vor, vielmehr musste der Mitarbeiter diese in weiteren Systemen/Dateien „zusammensuchen“. Im Zeitalter von Industrie 4.0 sollte dieser Workflow soweit vereinfacht werden, dass alle relevanten Informationen direkt in einer Ansicht zur Verfügung stehen. Für den Bereich digitales Shopfloor Management bedeutet dies eine Integration der Daten aus Drittsystemen (z.B. Qualitäts- und Logistiksysteme) im zentralen Shopfloor System.

5. Effizient kommunizieren – Shopfloor Management als Dialogplattform

Neben den bisher vorgestellten Inhalten einer Morgenrunde stellt der KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) bzw. die daraus resultierende Prozessverbesserung natürlich eines der Kernelemente dar. In der klassischen Morgenrunde werden Maßnahmen, die zu einer möglichen Prozessverbesserung führen, definiert und auf der Pinnwand inkl. Verantwortlichkeit und Plandatum aufgeführt – Die Maßnahme bzw. deren Status wird nur manuell getrackt.

Shopfloor Management als Dialogplattform

Im Kontext der digitalen Morgenrunde werden die Maßnahmen im zentralen Shopfloor System angelegt und archiviert – ändert sich der Status etc. wird die Maßnahme automatisch aktualisiert (Digitales Maßnahmenmanagement). Trotzdem bleibt der bekannte Ablauf erhalten: Im Rahmen des KVP werden Maßnahmen definiert, die regelmäßig auftretende Probleme (z.B. Qualität, Anlagenstörung, etc.) dauerhaft beseitigen sollen. Der PDCA-Zyklus bzw. der Demming-Kreis definiert vier Phasen, die innerhalb des Verbesserungsprozesses durchlaufen werden:

  • Eine Maßnahme wird definiert (P – Plan)
  • Anschließend wird die Maßnahme getestet (D – Do)
  • Das Ergebnis der Maßnahme wird sorgfältig geprüft (C – Check)
  • Einführen der Maßnahme auf breiter Front (A – Act)

Das Tracking der Maßnahmen sowie deren Auswertung anhand der vier Phasen ist dadurch auf Knopfdruck möglich.

Tauchen Probleme oder Maßnahmen auf, die nicht direkt gelöst werden können, bedarf es zusätzlicher Hilfe von Experten. Eine Integration von internen Kommunikationsmedien, wie z.B. Slack oder Teams erlaubt das temporäre Hinzuziehen von Wissensträgern, ohne persönlicher Anwesenheit vor Ort.

Durch die Digitalisierung der Morgenrunde entsteht ein interaktives, papierloses Shopfloor System für alle produktionsrelevanten Themen, von Maschine bis Mitarbeiter – als Teil eines MES.

Für den eigentlichen Systembetrieb sollte das MES bereits in der Grundkonfiguration Funktionen für IT-Systemüberwachung, Monitoring und Alarmierung mitbringen, die je Applikation nur noch geringfügig adaptiert werden müssen.

Click-Demo: Digitales Shopfloor Management

Start-Bildschirm des digitalen Shopfloor Managements der MES-Software Legato Sapient. 20min Morgenrunde wird gestartet. Safety, Qualität und Logistik ist im Fokus.

Vorgegebener Ablauf mit fester Anzahl an Teilnehmern bzw. Rollen. Pro Bereich / Team wird ein Shopfloor Meeting pro Schicht oder Tag abgehalten. Information werden von unten nach oben aggregiert: Vorfälle (z. B. Verspätungen, Unfälle) oder Produktionszahlen (Stückzähler, KPIs) werden unten auf Shopfloor-Ebene erfasst. Auf höherer Ebene stehen die Aggregation dieser Werte dann zur Verfügung. Für Ankündigungen und allg. Informationen dient das News-Boardlet, wo der Informationsfluss von oben nach unten stattfindet.

Digitales Shopfloor Management Start-Dashboard

Mitarbeiter-Anwesenheit

Pro Knoten bzw. Bereiche, wo ein Shopfloor Meeting abgehalten wird, werden initial die Teilnehmer bzw. Rollen definiert. Für diesen Rollen wird die für die Mitarbeiter die Anwesenheit pro Meeting eingetragen und kann in verschiedenen Ansichten ausgewertet werden.

KPI Arbeitssicherheit

Die drei Kalender Safety, Quality, Logistics dienen zur Aufnahme von Incidents. Die Möglichkeit, kundenspezifische weitere Kalender bereit zu stellen, kann gewährleistet werden. Eine Übersicht der vorhandenen Incidents gefiltert auf Bereich und Incident Type ist unten im Shopfloor Dashboard zu sehen, bei Auswahl eines Incidents in der Liste öffnet sich ein Fenster mit einer Detailansicht des Incidents, in welcher dieser bearbeitet werden kann.

Digitales Shopfloor Management Dashboard zu Station 3

Qualität

Logistik

Digitales Shopfloor Management Dashboard zu Station 3

Allgemeine Produktions-KPIs

Digitales Shopfloor Management Dashboard zu Station 3

Drill Down in die Bereiche, Linien, Schichten, … online Daten aus dem MES System und den Maschinen.
Die Betrachtung sämtlicher relevanter Daten aus der Maschinendatenerfassung, aufbereitet in den entsprechenden Dashboards, ist Bestandteil des digitalen Shopfloor Meetings.

Maßnahmen-Management

Maßnahmen werden beispielsweise erzeugt als Folge eines Incidents („Worker slipped“ -> führt zu Maßnahme „Clean floor“).
Erweiterungen des Task Managements: E-Mail-Benachrichtigung, Verknüpfung zu Check-Listen, Subtasks, Zuweisung zu User-Gruppen.

Digitales Shopfloor Management: Beispiel mit Fokus auf online Maschinen-, Prozess-, Qualitäts- und Logistikdaten
Das digitale Dashboard bietet direkten Zugriff auf notwendige Daten aller Art und Herkunft. Sie haben mehrere Möglichkeiten des Datenimports:

  • Bereits im Shopfloor System vorhanden durch Maschinendatenerfassung
  • Manuelle Eingabe im Interval Count Boardlet
  • Anbindung über dedizierte Schnittstelle an weiteres System (z.B. SAP, Legacy MES)
  • Datei-basierter Import über Daten, die regelmäßig upgedatet und eingelesen werden
Shopfloor Management Beispiel aus der Produktion
Bei Start des Shopfloor Meetings: Rollover Boardlet mit Daten aus der Produktion.

 

Ausschuss:

Shopfloor Management Beispiel: Start-Dashboard

Ist-Stückzahl:

Shopfloor Management Beispiel: Start-Dashboard

Produktivität:

Shopfloor Management Beispiel: Start-Dashboard
Nach Start des Shopfloor Meetings: Kontext spezifische Daten, um den Erfolg des Meetings zu erhöhen.

Wenn beispielsweise die Qualität diskutiert wird, werden die Kundenrücknahmen, Qualitätsprobleme, etc. in einen Report zur Verfügung gestellt. Weiterhin werden einzelne Kundenrücknahmen aus dem CAQ System weiter erläutert. Alles mit Drill down Funktionalität für detailliertere Informationen.

Shopfloor Management Beispiel: Qualität

Wenn beispielsweise die Logistik diskutiert wird, werden die Verspätungen, teuren Premium Versände, etc. in einen Report zur Verfügung gestellt. Weiterhin werden einzelne Logistikprobleme (Störung im Hochregallager, Nachschub zu spät, …) erläutert. Alles mit Drill down Funktionalität für detailliertere Informationen.

Shopfloor Management Beispiel: Logistik

FAQ: Wichtige Fragen zum Digitalen Shopfloor Management

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum digitalen Shopfloor Management:

Was ist Shopfloor Management?

In der Fertigung bedeutet „Shopfloor“ so viel wie „Hallenboden“, „Werkstatt“ oder „Fabrikhalle“. Es ist der Ort, an dem die Produktion abläuft und die Wertschöpfung geschieht werden. Shopfloor Management besagt also, dass das Management direkt auf dem Shopfloor stattfindet, d.h. die Produktions- und Wertschöpfungsprozesse werden durch die aktive Präsenz von Managern vor Ort gesteuert.

Warum ist digitales Shopfloor Management von Bedeutung?

Digitales Shopfloor Management ist zum einen geeignet, Prozesse zu verschlanken und Produktionsfehler zu minimieren. Sie erreichen spürbar mehr Transparenz auf Basis der Maschinendatenerfassung und -auswertung. Digitale Shopfloor-Systeme ermöglichen relevante Analysen an einem Ort, in Echtzeit und niedrigschwellig.

Was ist ein Shopfloor Meeting?

Eine Shopfloor Meeting ist ein wirksames Instrument des Produktionsmanagements. Sie hat in der Regel eine regelmäßige Tagesordnung, findet täglich statt und dauert etwa 15 Minuten. Shopfloor Meetings sind ein Dialog zwischen Produktionsleitern und -mitarbeitern und tragen dazu bei, Prozessprobleme offen anzusprechen, sie an der Wurzel zu packen und schnell zu beseitigen.